Vortrag vom 19.10.2010 im ZMPT

Knie-Ersatz

von Dr. Robert Dirnberger

In einem äußerst interessanten Vortrag erfuhren ca. 25 PatientInnen und Freunde des ZMPT nach einem kurzen geschichtlichen Überblick die wichtigsten patientenrelevanten Details zum Thema Knieprothese.

Der erste große Durchbruch gelang 1976 – nämlich der Oberflächenersatz, der bis heute Anwendung findet.

Die Arthrose („Gelenkverschleiß mit anfänglicher Knorpelschädigung und im weiteren Verlauf mit Knochenveränderungen“) gilt als wichtigste Indikation für K-Teps (Knie-Totalendoprothesen).

In Österreich gibt es ca. 14.000 Personen mit K-Teps, 20.000 mit H-Teps (Hüft-Totalendoprothesen). Die Haltbarkeit von K-Teps beträgt durchschnittlich 15 Jahre. 70% der Personen mit K-Teps sind weiblich. Bei Personen unter 65 Jahren beträgt die Revisionsrate 15% nach 8 Jahren!

Danach erfolgte ein Überblick über die einzelnen Prothesentypen:

• Hemicap-Prothese: I (Indikation) ist ein umschriebener Knorpelschaden an der Oberschenkelrolle oder im Kniescheibengleitlager – Vorteil: kleiner Zugang und wenig Knochenresektion;

• Trochleaprothese: I: Knorpelschaden im Kniescheibengleitlager (selten)

• 2/3 Prothese: I: Arthrose im medialen retropatellaren Kompartment – Vorteil: Erhalt des lateralen Gelenkanteils und der Bänder;

• Halbschlitten: I: vorderes Kreuzband und gegenseitiges Kompartment sind instabil; Nachteil: lateral meist keine guten Ergebnisse; Vorteil: kleiner Eingriff und wenig belastend; Wechsel auf K-Tep möglich;

• K-Tep:
Einteilung nach Kopplungsgrad – je mehr natürlicher Bandapperat erhalten ist, desto weniger Kopplungsgrad ist erforderlich;
je höher der Kopplungsgrad ist, umso höher wirken Kräfte auf die Prothese = steigende Wahrscheinlichkeit der Lockerung;

OP-Ablauf:

erfolgt nach dem Baukastenprinzip (moduläre Systeme);
voll- oder teilgekoppelte Prothesen werden immer zementiert;

Materialien:

Kobalt-Chrom-Molybden-Legierungen (kann Spuren von Nickel erhalten und wird daher beschichtet um mögliche allergische Reaktionen seitens des Patienten zu unterbinden) und Polyethylen (= Schwachstelle die zu aseptischen Lockerungen führen kann);

weiters besteht die Möglichkeit einer minimalinvasiven Technik, die sich jedoch nicht durchgesetzt hat – Vorteil: kleiner Zugang; Nachteil: schlechte Übersicht;

Gender Knie:

dabei wird aufgrund der unterschiedlichen Form und Größe der Oberschenkelrolle bei Frau und Mann bei der OP und der Prothese bedacht genommen;

Stichwort Computerchirurgie: diese hat sich beim Knie als erstes durchgesetzt;

mögliche Komplikationen:
• Instabilität
• Materialversagen
• Fehlpositionierung – Achsenfehler bis 3° stellen kein Problem dar
• Kniescheibenprobleme
• Aseptische Lockerungen

sekundäre mögliche Komplikationen:
• Thrombose/Embolie
• Nerven- und Gefäßverletzungen (z.B. Läsion des Nervus peroneus à Vorfußheberschwäche oder –lähmung,...)
• Nachblutung/Hämatome
• Infektionen
• Periprothetische Frakturen
• Arthrofibrose (überschiessende Narbenbildung mit Bewegungseinschränkung) < 1%


K-Tep und Sport:

Allgemein sind Dreh- und Stoßbelastungen schlecht.

+++: Rad, Nordic Walking, Bergwandern, Langlauf klassisch, rudern, schwimmen

+/-: Laufen auf weichem Boden (kurze Strecken,...), Tanzen, Tischtennis aus dem Stand, Kegeln ohne Anlauf, Tennis (Sandplatz, Doppel, gemütlich,...), Golf (Problem Standbein,...)

---: Schifahren, Reiten, Inlineskaten, Gewichtheben, Ballsport à Belastungen und Sturzgefahr!!!


Personen mit H-Tep treiben nach der OP eher mehr Sport, Personen mit K-Tep eher weniger – Ausnahmen bestätigen die Regel!!!


Ablauf nach OP:
• Reha idealerweise 2-3 Wochen nach der OP
• Autofahren 6 Wochen postoperativ
• Duschen 2-3 Tage nach Entfernung des Redonschlauches mit wasserdichtem Pflaster
• Baden 2-3 Wochen postoperativ
• Motorschiene bis 8 Std. tgl. ab 3. Tag
• Schmermittel 1-3 Monate postoperativ
• Thromboseprophylaxe 2 Wo
• Kompressionsstrümpfe mindestens 2 Wochen
• Zementierte Prothesen dürfen sofort voll belastet werden, sonst 3-6 Wochen Ent- bzw. Teilbelastung – der Operateur entscheidet


ZIEL: freie Extension (Streckung) und mindestens 115° Flexion (Beugung)

 


Knie-Ersatz


Liebe Patientin, lieber Patient!!

KNIESCHMERZEN? -  NEIN DANKE!!


Die Ansprüche an unser Kniegelenk steigen, die Alterspyramide verändert sich, berufliche und sportliche Belastungen nehmen zu!
Heutzutage sind angepasste sportliche Ziele im Alter kein Widerspruch mehr.
Mit einem künstlichen Kniegelenk können Sie ein ganz normales Leben führen!

Für viele Patienten zählt Sport zu den Dingen, die das Leben lebenswert machen.
Die Gelenksarthrose gilt als Hauptursache für Kniegelenksschmerzen und Bewegungseinschränkung. Bei den über 40 –jährigen zeigt sich bei 60% in der Gesamtbevölkerung Arthrose im Kniegelenk.
Nach ausgeschöpfter konservativer Therapie bleibt  als optimale Lösung der Gelenkersatz.

Herr Dr. Robert Dirnberger, Spezialist im Bereich der Kniechirurgie, wird in seinem Vortrag auch der Fragestellung nachgehen, ob trotz künstlichem Kniegelenk ein normal schmerzfreies Leben möglich ist.

Der Vortrag findet am Dienstag den 19.10.2010  im ZMPT statt und beginnt um 19.00 Uhr.

Gerne sind auch Freunde, Bekannte und Interessierte willkommen (Voranmeldung unbedingt erforderlich).

Beim anschließenden Buffet haben Sie sicher die Möglichkeit, in angenehmer Atmosphäre noch offene Fragen angeregt zu diskutieren.

Bei Interesse ersuchen wir Sie, sich in die beim Sekretariat aufliegende Liste einzutragen. Gerne können Sie sich auch per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anmelden.

Für eine bessere Kalkulation ersuchen wir um eine verbindliche Anmeldung und erlauben uns, einen Unkostenbeitrag von € 5,00 einzuheben.

Wir würden uns sehr freuen Sie am 19. Oktober  begrüßen zu dürfen!


Ihr Team des ZMPT